Neues aus dem IfM

Wir trauern um Lutz Hachmeister (10.09.1959 – 26.08.2024)

Mit Erschütterung müssen wir die Nachricht bekannt geben, dass unser Gründungsdirektor und Geschäftsführer Lutz Hachmeister gestorben ist. Er starb völlig unerwartet am 26. August, zwei Wochen vor seinem 65. Geburtstag, in Köln.

Den plötzlichen Tod von Lutz Hachmeister und die Lücke, die er hinterlässt, werden wir alle erst mit Abstand begreifen. An dieser Stelle seinen herausragenden Intellekt, seine unerschöpfliche Neugier, sein visionäres Gespür für Themen und seine Sprachkunst zu preisen, erübrigt sich fast von selbst – sie waren offensichtlich. Keine Worte könnten ihnen gerecht werden. Unberechenbar, aber beständig brillant, streitbar, aber als Autorität unumstritten, ein öffentlicher Intellektueller par excellence und ein sehr privater Mensch: Lutz’ Person entzog sich tradierten Kategorien, sein Schaffen sprengte Silos, ohne sich jemals Opportunitäten oder Moden zu unterwerfen. Geschichte und Geschichtspolitik, Journalismus, Philosophie und Medientheorie, Rundfunk- und Medienpolitik, Plattformen, „Twitterpolitik“ und KI – nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Vielseitigkeit hat er wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse zu diesen Themen nachhaltig geprägt. Kaum jemand im deutschsprachigen Raum hat die Folgen der Medien- und Technikevolution auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in ihren komplexen Wechselwirkungen so früh, so umfassend erfasst. Wann immer er sich etwa – oft lustvoll pointiert, immer kenntnisreich – mit Interventionen zum Strukturwandel der Medienpolitik oder zur Reform des um eine „dritte Säule“ zu ergänzenden dualen Rundfunksystems zu Wort meldete, war ihm die Aufmerksamkeit der Szene gewiss. Die Bandbreite seines Schaffens war enorm – er war Wissenschaftler und Journalist, Film- und Buchautor, Unternehmensberater, Initiator eines internationalen Filmfestivals und Institutsdirektor.

Mit der Gründung des IfM im Jahr 2005, das sich rasch zu einem hochrangigen Forum für die Medienbranche, die Kommunikationsforschung und die handelnde Politik entwickelte, fand Lutz Hachmeisters These, dass der Bedeutungsgewinn von Medien- und Kommunikationspolitik auch eines Ortes bedarf, an dem aktuelle Debatten und Zukunftsfragen öffentlich, aber auch strategisch erörtert werden, ihre Entsprechung. Der genius loci der Institutsräume in der Berliner Fasanenstraße ist unter all jenen, die bei den medienpolitischen Kolloquien mit internationalen Wissenschaftlern, Spitzenpolitikern, CEOs und Chefredakteuren zugegen waren, unvergessen. Dass mit dem „Vor-seiner-Zeit-Sein“ das Risiko einherging, anzuecken und nicht verstanden zu werden, hat er in Kauf genommen. Egal war es ihm, aller ostentativen Robustheit zum Trotz, nicht. Doch so präzise er die föderale Zuständigkeitsvielfalt, die Idiosynkrasien und Eigenlogiken von Medienpolitik, Verwaltung und Senderapparaten zu sezieren verstand, so wenig Lust hatte er darauf, sich zu verbiegen und sich mit der für die Beratungsbranche üblichen Geschmeidigkeit durch das Feld unterschiedlicher Interessen und Befindlichkeiten zu navigieren.  

Viele der Vorschläge, die dieser „Ein-Personen-Zukunftsrat“ teils vor über einem Jahrzehnt formulierte und die seitdem nur an Aktualität gewonnen haben, harren weiter der Umsetzung. Doch ein „intellectuel engagé“, ein engagierter Intellektueller, ist kein Intellektueller, der Politik macht. Vielmehr ist es jemand, der sich in die politische Debatte einmischt, ohne jedoch die Anforderungen seiner täglichen Tätigkeit als Wissenschaftler aufzugeben; andernfalls, so erklärt es Pierre Bourdieu in Pierre Carles’ Dokumentarfilm „La sociologie est un sport de combat“ von 2001, wäre er „ein Clown“. Die Charakterisierung als „intellectuel engagé“ hätte Lutz hoffentlich auch für sich akzeptiert (und die Tatsache, dass sie aus den sozial- und kulturtheoretischen Diskurs Frankreichs stammt, dem er sich eng verbunden fühlte, erhöht die Wahrscheinlichkeit beträchtlich). Glücklich können sich all jene schätzen, die nicht nur seinen Intellekt erlebten, sondern auch die leisen Momente, in denen er sich selbst hinterfragte oder seinen feinen Humor auf sich selbst lenkte. Wer die Gelegenheit hatte, Zeit mit ihm an der Côte d’Azur zu verbringen, erlebte in Juan-les-Pins bei ausgedehnten Spaziergängen sowohl seine enzyklopädische Kenntnis der Kulturgeschichte des von ihm geliebten Seebads als auch die Ruhe, gemeinsam mit ihm in einer Strandbar schweigend aufs Meer schauen zu können. Man verstand, nach welcher Maxime Lutz Hachmeister auch sein Leben als öffentliche Person gestaltete und unter den vielen Interview- und Vortragsanfragen, die ihn erreichten, sorgfältig auswählte: Wer wirklich viel zu sagen hat, muss sich nicht immer und zu allem äußern.

2019 übergab Lutz Hachmeister den Staffelstab mit einem 50.000-Zeichen-Interview in der Medienkorrespondenz an Publizisten und Politikberater Leonard Novy, der das Institut seitdem ehrenamtlich mit einem kleinen Team von Köln und Berlin aus leitete. Die Internationalisierung des Instituts – Veranstaltungen in New York und Georgien, Kooperationen mit Universitäten wie Cambridge und Köln, die Weiterentwicklung der Cologne Futures mit dem WDR, Capacity-Building-Programme mit dem Auswärtigen Amt in Osteuropa, das gemeinsam mit dem Haus des Dokumentarfilms erfolgreich etablierte Roman Brodmann Kolloquium für Medienfreiheit und Dokumentarfilm sowie die Zusammenarbeit mit der internationalen Medienkonferenz M100 – all das verfolgte Lutz Hachmeister nicht nur mit Wohlwollen, sondern brachte sich weiter aktiv ein. In den Büroräumen in Köln-Nippes blieb er eine konstante Präsenz, war dem jungen Team um Büroleiterin Mia Paetzold ein wichtiger Mentor und prägte als geschäftsführender Gesellschafter weiterhin die strategische Ausrichtung des IfM. Und obwohl er öffentlich stets erklärte, die Medienpolitik hinter sich gelassen zu haben: War es ihm nicht mutig, nicht radikal genug, oder schlicht zu läppisch (zu sehr „Mickey Mouse“), dann meldete er sich weiter zu Wort. „Es gibt ja wenig Peinlicheres als ältere Männer, die aus Angst vor Statusverlust plötzlich ihre patriotische und strukturkonservative Gefühligkeit entdecken“. Mit diesen Worten kommentierte Lutz in seinem Abschiedsinterview in der Medienkorrespondenz die oft befremdlichen Alterskarrieren ehemaliger Meinungsführer. Das, so viel ist gewiss, wäre ihm nie passiert. Wie es nun weitergeht? Schwer vorstellbar. Lutz hätte gesagt: „Das müssen jetzt andere machen.“

Leonard Novy

Erfolgreicher Kick-off von „Local Media Matters“ in Yerevan

Vom 21. bis 25. Juli fand in Yerevan das erste Modul des Projektes „Local Media Matters“ zur Zukunft des Lokaljournalismus in Armenien statt. 15 Nachwuchs-Journalist:innen kamen zusammen, um die Herausforderungen und Chancen ihres Berufsfeldes zu diskutieren. Ziel war es, die Teilnehmer miteinander zu vernetzen und gemeinsam Strategien zur Stärkung des Qualitätsjournalismus auf lokaler Ebene zu entwickeln. 

Der Workshop bot eine Plattform für Austausch, Reflexion und praxisnahe Übungen. Besonders im Fokus standen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Medienlandschaft und die Notwendigkeit, professionelle Kompetenzen zu erweitern. Die Teilnehmenden erarbeiteten individuelle und gemeinsame Ziele und setzten sich intensiv mit den aktuellen Problemen des armenischen Journalismus auseinander.

Dieser erfolgreiche Auftakt legte den Grundstein für eine vertiefte Auseinandersetzung in den kommenden beiden Modulen, bei denen wir weiter an der Professionalisierung und Vernetzung der lokalen Journalist:innen arbeiten werden. Zu den Referenten des von Leonard Novy geleiteten Seminars zählten der Wiener Innovationsexperte Milo Tesselaar und Armen Sargsyan (Media Initiatives Center, Yerevan).

„Local Media Matters“ wird vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) als Teil seiner Capacity Building-Arbeit in Zusammenarbeit mit EduHub organisiert. Die Initiative wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Programms #CivilSocietyCooperation gefördert.

Weitere Informationen hier.

Auftakt #EngageCaucasus

Zwischen 4. und 8. Juli fand das Auftaktseminar des #EngageCaucasus-Projektes in Yerevan statt. Diese vom Auswärtigen Amt unterstützte Workshopserie adressiert junge Vertreter der Zivilgesellschaft, Medienschaffende und Wissenschaftler zwischen 20 und 30 Jahren aus Georgien und Armenien.

Seit der Samtenen Revolution hat Armenien auf seinem Weg zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten erhebliche Fortschritte gemacht. Diese Fortschritte sind jedoch erst der Anfang eines viel längeren Prozesses. Derweil werden die bevorstehenden Wahlen in Georgien, über die in der EU im Allgemeinen nicht viel berichtet wird, erneut ein Schlaglicht auf die erheblichen Spannungen und Herausforderungen lenken, denen sich die junge Demokratie gegenübersieht.

Um beiden Ländern eine demokratische Zukunft zu sichern, ist es von Bedeutung, die Zivilgesellschaft zu stärken und ein umfassendes Verständnis von Demokratie zu fördern, das Demokratie als partizipatorische Lebensform aller sieht – nicht nur als eine Instanz zur Legitimierung der politischen Herrschaft anderer. Dazu ist es notwendig, den Blick nicht nur auf die Hauptstädte zu richten, wo viel soziales Kapital konzentriert ist, sondern vor allem auf die ländlichen Gebiete, wo Zivilgesellschaft und bürgerschaftliches Engagement oft schwächer sind. Darauf zielt #EngageCaucasus ab – mit Theorie, Reflexion und einem Schwerpunkt auf der gemeinsamen Entwicklung konkreter Projekte. Das zweite Seminar findet im Oktober in Tbilisi statt.

#EngageCaucasus wird vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) also Teil seiner Capacity Building-Arbeit in Zusammenarbeit mit EduHub und dem Georgian Institute for Security Policy (GISP) organisiert. Die Initiative wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Programms #CivilSocietyCooperation gefördert. 

Neue Rangliste: Medienkonzerne aus Asien holen im weltweiten Umsatz-Ranking auf

Medien- und Wissenskonzerne aus dem asiatischen Raum nehmen im weltweiten Umsatzranking eine immer gewichtigere Rolle ein. Das geht aus dem jetzt verfügbaren neuen Ranking der größten Medienkonzerne der Welt hervor, das vom Kölner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) online publiziert wurde. War der asiatische Raum vor zehn Jahren nur mit fünf Konzernen aus Japan vertreten (mit einem Gesamtumsatz von 33,26 Mrd. Euro), erzielten Medienkonzerne aus Japan und China 2023 den zehnfachen Umsatz von 343 Mrd. Euro. Und fand man im Ranking der 50 größten Medienkonzerne 2014 noch gar keine chinesischen Vertreter, kommt China 2023 mit fünf Konzernen schon auf einen Umsatz von umgerechnet 227 Mrd. Euro.

Auch aus China: TikTok-Betreiber Bytedance (Peking), der große Aufsteiger und oberste nicht US-amerikanische Konzern im IfM-Ranking. Vor zwei Jahren lag der riesige Tech-Konzern auf dem achten, letztes Jahr auf dem sechsten, jetzt auf dem vierten Rang (mit einem Umsatz von geschätzt 110 Mrd. US-Dollar).

Hier bleibt allerdings abzuwarten, wie sich die Situation um Bytedance auf einer hochpolitischen Ebene entwickelt und ob Bytedance seine hohe Position im Ranking dauerhaft halten kann. Denn das US-Repräsentantenhaus beispielsweise erwägt eine Sperrung von TikTok in amerikanischen App-Stores, um zu verhindern, dass China die überaus erfolgreiche Plattform für politische Einflussnahme nutzt.

„Der Marktdruck durch Anbieter aus dem asiatischen Raum, auch im Werbemarkt, wird vor allem zwei Tendenzen verstärken: Fusionen traditioneller Medienkonzerne in Europa und die globale Einverleibung von Publizistik, Sportrechten und Entertainment durch reichweitenstarke Streaming- und Telekom-Unternehmen“

„Der Marktdruck durch Anbieter aus dem asiatischen Raum, auch im Werbemarkt, wird vor allem zwei Tendenzen verstärken: Fusionen traditioneller Medienkonzerne in Europa und die globale Einverleibung von Publizistik, Sportrechten und Entertainment durch reichweitenstarke Streaming- und Telekom-Unternehmen“, sagte IfM-Geschäftsführer Lutz Hachmeister anlässlich der Publikation des neuen Rankings auf epd-Anfrage. Hachmeister hatte das kommentierte Ranking, gemeinsam mit dem Dortmunder Journalistik-Professor Günther Rager, in den 1990er Jahren lanciert, zunächst in Buchform („Wer beherrscht die Medien?“, C.H. Beck 1997). Mit der Gründung des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (2005) wurde daraus die heutige  Medienkonzern-Datenbank des IfM.

Nach wie vor aber sind es die ganz großen US-Konzerne, die das Ranking dominieren. Unangefochten an der Spitze bleibt der Mediengigant Alphabet (Google, YouTube), mit einem Gesamtumsatz von mittlerweile 307,4 Mrd. US-Dollar (umgerechnet 284,3 Mrd. Euro). Zwei haben dann wie 2022 die Plätze getauscht.

Zurück von Platz drei auf Platz zwei: Meta Platforms (bekannt für die sozialen Netzwerke Facebook, WhatsApp, Instagram) mit rund 135 Mrd. US-Dollar. Und umgekehrt zurück auf Platz drei: der Kabel- und Film/TV-Konzern Comcast (u.a. NBC Universal) mit jetzt 121,5 Mrd. US-Dollar. Comcast: vor einiger Zeit (2011–2015) sogar der größte Medienkonzern der Welt.

Auf Platz 18 dann (wie im Vorjahr) mit Bertelsmann der erste deutsche/europäische Medienkonzern (RTL, Gruner + Jahr, rund 20 Mrd. Euro). Vivendi (Paris) macht nach der Fusion mit dem anderen großen französischen Medienkonzern Lagardère zwar zehn Plätze gut (steigt von 30 auf 20), bleibt in Europa aber unverändert auf dem 2. Rang (Umsatz: 16,5 Mrd. Euro). Allerdings belegen die Zahlen: Mit dem Mediengeschäft der großen europäischen Konzerne geht es bergab. 2014 hatte Europa einen Anteil von 17,5 % (oder 80,7 Mrd. Euro) an den 50 größten Medienkonzernen (Umsatz gesamt: 473,32 Mrd. Euro). 2023 hat sich dieser Anteil halbiert: Jetzt waren es noch 138,45 Mrd. Euro von insgesamt 1,55 Billionen – oder 8,93 %. Auch ein Beispiel für die neue bipolare Weltordnung, die sich im 21. Jahrhundert abzeichnet, mit den nicht nur im Bereich der Medien führenden USA und China.

Zweitgrößtes deutsches Medienunternehmen ist die öffentlich-rechtliche ARD mit 7,25 Mrd. Budget aus Rundfunkbeiträgen, Werbung und Lizenzen. Insgesamt verfügt das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem (ARD, ZDF, Deutschlandradio) über ein Budget von rund 10 Milliarden Euro, weit vor Großbritannien mit der BBC (6,58 Mrd.).

Das Ranking der größten Medienkonzerne der Welt für das Jahr 2023 ist auf der institutseigenen Datenbank mediadb.eu ab sofort online; weitere Informationen zur Zusammensetzung des Rankings finden Sie hier. Umfangreiche Porträts der aufgestiegenen Konzerne plus englische Fassungen werden von der IfM-Redaktion nach und nach eingepflegt. Dazu gibt es auf mediadb.eu einen aktualisierten Überblick über die Besitz- und Machtstrukturen der europäischen Medienmärkte, d.h. der 27 EU-Mitglieder und weiter der Schweiz, Großbritanniens, Norwegens und Islands.

Bei Rückfragen: info@institut-medienpolitik.de

International Capacity Building

The IfM is involved in various international capacity-building projects to promote journalism and democracy. The calls for applications for the current projects in Armenia and Georgia, which also contain information on the concept and objectives of the initiative, can be found here. These programs are generously supported by the German Federal Foreign Office’s programme „Expanding Cooperation with Civil Society in the Eastern Partnership Countries and Russia“.

Apply now until June 23 for the 2024 projects:

#EngageCaucasus

Young Leaders Seminar for political and civil society representatives from Armenia and Georgia:

#LocalMediaMatters

Young Leaders Seminar on the future of local journalism in Armenia: